Wir haken nach

Die Bochumer Straße wird wiederbelebt.

Fotos: V. Bruckmann & W. Müller

 

Ein halbes Jahr nach dem ersten Zeitungsinterview sind wir

aktuell zu Besuch bei Melissa und Antonia im ninety6, der neuen Wohnform an der Bochumer Straße 96

 

In Ückendorf kennt man sich nicht immer mit Nachnamen. So stehen wir vor dem Haus Bochumer Straße 96, von den Anwohnern kurz ninety6 genannt und rätseln, welche Klingel wir drücken müssen. Irgendwann macht uns Mathe- und Physik-Studentin Antonia auf, nachdem wir uns über WhatsApp bemerkbar gemacht haben. 

 

Antonia wohnt in einer WG im Vorderhaus in der ersten Etage und ist erst kürzlich eingezogen. Wir überqueren den Innenhof (den wir quasi schon rufen hören „Macht endlich was aus mir“), aber die Umsetzung des einst gefassten Renovierungsplanes bedarf noch ein wenig Geduld, ist aber, wie uns versichert  wurde, nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.  Nachdem uns der mit Einkaufstüten bepackte Nachbar (ein Ureinwohner) aufgeschlossen hat, durchschreiten wir die schmuckvolle Eingangstür des Hinterhauses.  Unterm Dach wohnen Melissa (29)  und Hund Sam. Eine cool eingerichtete Dachgeschosswohnung, genauso, wie man sie sich von hippen Kreativen vorstellt.

 


 

Melissa ist von Dortmund in die Bochumer Straße gezogen und hat nur rein zufällig von der Möglichkeit erfahren, hier inmitten des Kreativquartiers eine günstige Bude beziehen zu können. Sie hat eher zufällig in einem Musikerforum davon gelesen.

 

Melissa plant mit Gelsenkirchen. Sie hat 1000 Ideen, was man alles machen kann. Z. B. zusammen mit den anderen Bewohnern des ninety6 zu einen Hotspot der Musikszene zu machen. Man könnte Musikprojekte im Haus etablieren.

 

Die Journalistik Studentin und Musikerin gründet gerade mit zwei Freundinnen aus Köln und Münster ein Musiklabel. Ihre zweiköpfige Mädchen-Band hat auch schon einen Proberaum in Gelsenkirchen gefunden. Sie berichtet von den Nachbarn. Die sind zu im Kopf war ihr Kommentar, weil die Party auf der nicht umzäunten und genauso wenig genehmigen Dachterrasse, den Nachbarn vom Haus gegen über stört. Sein Gesamteindruck wird beeinträchtigt und der Anblick einer jungen Frau auf der noch zu gestaltenden Dachterrasse ist unästhetisch. Der Nachbar unten drunter fühlt sich extrem gestört  über ein wenig laute Musik nach 22 Uhr.

 

Es wird deutlich, dass sich die Ureinwohner an die neuen Bewohner an der Bochumer Straße erst gewöhnen müssen. Laut Melissa gibt es wenig Verständnis für die Belange der jungen Leute die einmal diese Häuser bewohnen sollen, denn diese Räumlichkeiten sind einfach ideal für junge Kreative und Studenten, weil sie relativ preiswert sind, eine günstige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr haben und  genauso günstige Verkehrsanbindung an die A40n mit schnellen Fahrmöglichkeiten zu den Hochschulen in Essen, Bochum und Dortmund bieten. Kurz gesagt, man wohnt gerne hier und fühlt sich wohl pudelwohl.

 

Beide jungen Frauen waren gleicher Meinung. Einerseits kann man in Ückendorf noch gestalten, andererseits sind schon Strukturen da, auf die man aufbauen kann. Die Leute vom Subversiv und vom Halfamannshof haben sie bereits kennengelernt, weitere Kontakte sollen geknüpft werden, um hier fest in die Szene der Bochumer Straße einzusteigen.

Es scheint noch von Seiten der Bewohner viel Gutwillarbeit nötig zu sein, um ein gemeinsames Miteinander zu gewährleisten, aber nichts ist unmöglich.

 

 

Ückendorf ist überall