Teilhabe am Arbeitsmarkt

Stadt und Bundesagentur für Arbeit glauben an den Durchbruch, sehen aber noch Nachbesserungsbedarf

Foto: W. Müller 2018
Foto: W. Müller 2018

GE. Zu einem Austausch über die Arbeitsmarktsituation in Gelsenkirchen ist gestern (7.8.2018) der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, einer Einladung von Oberbürgermeister Frank Baranowski gefolgt. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand der geplante „Soziale Arbeitsmarkt“, der wie im Koalitionsvertrag vereinbart als Instrument der „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ im Sozialgesetzbuch II verankert werden soll. Oberbürgermeister Frank Baranowski und Sozialdezernent Luidger Wolterhoff haben dazu die Gelsenkirchener Überlegungen für eine gelingende operative Umsetzung des Sozialen Arbeitsmarktes präsentiert.

 

Insbesondere die im Referentenentwurf vorgesehene Beschränkung auf den Mindestlohn, statt der Zahlung eines Tariflohns wird von der Stadt Gelsenkirchen noch als Hürde gesehen. Frank Baranowski: „Um das Programm mit 400 Stellen in Gelsenkirchen umsetzen zu können, müssen auch tarifgebundene Kommunen und öffentliche Arbeitgeber Beschäftigungsträger sein. Hier gibt es noch Nachbesserungsbedarf, den wir mit der Berliner Politik besprechen müssen.“

 

„Ohne die Kommunen werden wir die angestrebten Zahlen nicht schaffen“, unterstützt der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, die Argumentation des Oberbürgermeisters. Für ihn steht der soziale Aspekt der Teilhabe am Arbeitsmarkt im Mittelpunkt. „Erstmals ist der soziale Arbeitsmarkt in einem Gesetzentwurf ein Regelinstrument: Das ist für mich ein Durchbruch. Wir kümmern uns um die Menschen, die viele Jahre in der Arbeitslosigkeit sind. Das ist vor allem für Familien wichtig. Kinder sollen wahrnehmen, dass ihre Eltern jeden Tag zur Arbeit gehen“, so Scheele weiter.

 

Weiterer Diskussionspunkt war der so genannte Passiv-Aktiv-Tausch. Wenn der ehemalige Langzeitarbeitslose einen Lohn und keine Transferleistung erhält, werden Zahlungen etwa aus der Grundsicherung gespart. Diese könnten in die weitere Finanzierung von Arbeitsplätzen fließen oder die Lücke zwischen Tariflohn und Mindestlohn füllen.

 

 

Sozialdezernent Luidger Wolterhoff sieht in dem Gesetzesentwurf viele Aspekte des Gelsenkirchener Appells, der im Kern immer den sozialen Arbeitsmarkt gefordert hat, umgesetzt: „Wir sind jetzt an einer Umsetzung so nah dran wie nie zuvor. Über diesen Weg bieten wir den Betroffenen Menschen gesellschaftliche Teilhabe. Es geht hier schließlich um Arbeitsverhältnisse, die begründet werden sollen. Die Menschen erfahren dadurch wieder eine Wertschätzung und werden in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt.“


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Kommentare: 1
  • #1

    Oliver Opitz (Mittwoch, 08 August 2018 16:48)

    Hallo!
    Es gibt nicht viele außerhalb der Stadt oder Bundesagentur die daran Glauben das es wirklich etwas bringt.
    Für den Arbeitgeber ist es ein Lukratives Geschäft er bekommt eine "Günstige" Arbeitskraft die ihm nicht viel kostet.
    Aber wie sieht es mit dem Arbeitnehmer aus?
    Was hat er davon?
    Es gibt sehr viele Langzeitarbeitslose die keinen oder einen schlechten Schulabschluss haben, keine Berufsausbildung haben, keine Berufserfahrung haben oder länger als ein paar Monate am Stück gearbeitet haben, Mitte 30 oder älter sind und Familie haben. Ausbildung oder Umschulung bringt nicht gerade viel, vor allem wenn man Sie in Berufe steckt die Sie eigentlich nicht machen wollen und man Sie da irgendwie überzeugt das zu machen.
    Problem ist doch wie kriege ich diese Leute dazu Arbeiten anzunehmen.
    Wenn solch eine Person eine Arbeit annimmt dann ist diese meist auch im unteren Lohnsektor angesiedelt. Das heißt er würde ein sogenannter Aufstocker werden da sein Verdient bei weitem nicht reicht. Wenn man mal von einem Nettoverdienst von 1000€ ausgeht hat er ca. 280€ mehr im Monat als wenn er zu Hause bleibt. Dafür geht er aber jeden Tag arbeiten und hat vielleicht auch noch einige Mehrkosten durch die Arbeit so das dieser Betrag sogar bei genauer Berechnung geringer ausfällt.
    Da sagen dann die meisten lieber Nein danke.
    Da kann er mit weitaus weniger Arbeitsaufwand fast die gleiche Summe verdienen.
    Das ist für sehr viele nicht Lukrativ.
    Genau da sollte man aber ansetzten das es sich auch für den Arbeitnehmer lohnt eine Arbeit anzunehmen und nicht nur für den Arbeitgeber das er jemanden einstellt.
    Das sind auch die Erfahrungen die ich bisher mit diesen Leuten gemacht habe.
    Es wäre vielleicht mal eine Überlegung wert denn dann würden mit Sicherheit mehr Leute eine Arbeit annehmen.

    Mit freundliche Grüßen
    Oliver Opitz