Neulich, vor 70 Jahren

Weihnachten 1947

Zeitung vom 23.12.199

Als  eine der letzten Kumpel verließ ich Heiligabend 1947 die Waschkaue der Zeche Wilhelmine Victoria.  Ruhe lag über dem Zechenplatz. .

Die Seilscheiben drehen sich nicht mehr. Die schwere Schicht Lag mir noch in den Knochen und ich hatte Hunger. Das war aber nicht die die Ursache meiner gedrückten Stimmung.

 

Ich kam acht Wochen zuvor aus der Kriegsgefangenschaft und hatte keine Eltern oder nahen Verwandten mehr. 

 

Das kam mir heute besonders zu Bewusstsein, so wahr mir die Heimat noch fremd. Einsam trottete ich Richtung Lager Sandberg, meiner derzeitigen Bleibe. Im Grawenhof leuchteten schon vereinzelt Tannenbäume am Fenster… besser gar nicht hinschauen. Am Ende der Straße war das Lebensmittelgeschäft Weller. Dort brannte noch Licht. Ich hatte ja noch Lebensmittelmarken für Fett und Fleisch. Sollte ich mal nachfragen ob es was gibt?

 

Der Hunger siegte. Frau  Weller nickte nur auf meine Frage, schnitt die Margarine in zwei Hälften und gab mir ein halbes Pfund. Damit hatte ich nicht gerechnet und so  ging es froh gelaunt durch den Matschweg zum Lager.

 

Nachdem ich die Schüssel Brotsuppe, diesmal mit Rosinen, gegessen hatte betrachtete ich meinen Schatz, das halbe Pfund Margarine. Warum bekam ich es ausgerechnet heute? Hatte mich der Himmel doch nicht vergessen, war es ein göttliches Zeichen? Fröhlich öffnet ich das Papier. Der frische Duft des Speisefettes schlug mir entgegen.

 

Ich konnte nicht widerstehen, und in kurzer Zeit, ohne Brot, hatte ich alles verspeist. Nun wusste ich was ich an diesem Abend noch zu tun hatte. So betrat ich den Gemeindesaal in Hessler, der voller Menschen war. Die Kirche war noch zerstört. In meiner schwarz gefärbten Uniform kam ich mir nicht mehr einsam vor. Ich hatte wieder Hoffnung und war zuversichtlich. Ich wusste dass Gott, den ich in diesen bösen Jahren fast aus dem Bewusstsein verdrängt hatte, mich wieder haben wollte. Er gab mir ja ein Zeichen ein halbes Pfund Margarine.

 

Nie hatte mir ein Festmahl besser geschmeckt

 

Fritz Kästner

Zum Foto: Frohe Weihnachten viel Glück und Segen , Gesundheit und Frohsinn wünscht " Senior aktull" seine Lesern und Leserinnen, die und im auslaufenden Jahr beglitet haben. Foto: Konopka 1997
Zum Foto: Frohe Weihnachten viel Glück und Segen , Gesundheit und Frohsinn wünscht " Senior aktull" seine Lesern und Leserinnen, die und im auslaufenden Jahr beglitet haben. Foto: Konopka 1997

Diesen Artikel verdanke ich einem Facebookbeitrag von M. Lehrhove


ZWAR stellt sich vor

Gruppe Neustadt/Ückendorf

ZWAR – steht für: ZWISCHEN ARBEIT UND RUHESTAND.

 

Menschen, die sich im Vorruhestand oder im Ruhestand befinden, sind hier besonders angesprochen, da sich bei ihnen einschneidende Veränderungen ergeben, für die es oftmals eines Hilfsangebots von außerhalb bedarf

 

Schon 1979 entstand vor dem Hintergrund der Strukturkrise im Ruhrgebiet ein entsprechendes Projekt an der Universität Dortmund, worauf 1990 die Gründung des Trägervereins ZWAR e.V. beruhte. Die Wohlfahrtsverbände (AWO, Der Paritätische, Diakonisches Werk, Caritas), die Gewerkschaften (DGB, IGM), die Stadt Dortmund sowie die Gründer des Projektes (Rudi Eilhoff, Dr. W.r. Klem) sind hierin vertreten. Heute wird das Projekt vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

 

Sinn der Organisation ist es, Menschen ab 50 Jahren Hilfen zur Selbsthilfe anzubieten. Durch Berufsaustritt, (Vor-)Ruhestand, Langzeitarbeitslosigkeit, familiäre Veränderungen wie Auszug von Kindern oder Lebenspartnern bedarf es neuer Ziele. Deshalb soll durch das Projekt eine Unterstützung und Förderung des gesellschaftlichen Engagements, wie auch der Eigeninitiative, der Eigenverantwortung und der Selbstorganisation ermöglicht werden.

 

Das ZWAR Konzept stellt den Menschen mit seiner Geschichte, seinen Wünschen und Hoffnungen in den Mittelpunkt und orientiert sich dabei an den Ansätzen der humanistischen Psychologie. Es dient der Begleitung von Menschen im Übergang von der Erwerbs- und Familienarbeit in die erwerbsfreie und nachfamiliäre Lebensphase.

 

Ältere Menschen werden hier unterstützt bei der Suche nach Lebenssinn, Identität, verschütteten Wünschen, aber auch bei der Überwindung von Lebenskrisen. Die Förderung des persönlichen Wachstums führt zur Erkennung und Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen.

 

 Vier Säulen tragen das Konzept:

 

  •      Ich für mich                               (Eigenverantwortung)
  •      Ich mit Anderen für mich          (Mitverantwortung bei der Organisation des Netzwerks und der                                                                       Interessengruppen)

 

  •     Ich mit Anderen für Andere      (gesellschaftliche Verantwortung und bürgerschaftliches Engagement)
  •     Andere mit Anderen für mich   (soziale Vorsorge)

Den Menschen wird die Möglichkeit der Neuorientierung für die dritte Lebensphase gegeben, die sicherlich Zuwachs an Freizeit und Selbstbestimmung mit sich bringt. Die notwendige Neugestaltung des Lebens kann aber auch zu einer Überforderung führen, wenn sie im Alleingang erledigt werden muss.

 

In den ortsteilorientierten Basisgruppen treffen Menschen zusammen, die sich in der gleichen Lebenssituation befinden. Sie haben hier die Chance, unter Berücksichtigung ihres eigenen Lebensablaufes, in Verbindung mit Anderen neue gemeinsame Aufgaben und Ziele zu suchen, zu finden und umzusetzen.

ZWAR in NRW ist in allen fünf Regierungsbezirken vertreten, und es bestehen derzeit in rund 60 Kommunen über 170 Netzwerke mit insgesamt weit über 1000 Gruppierungen. Das Engagement in den ZWAR-Gruppen stellt keine Mitgliedschaft dar und kennt infolgedessen keine Mitgliedsbeiträge.

 

Nachdem bereits in den Ortsteilen Beckhausen, Bulmke und Hassel ZWAR-Basisgruppen erfolgreich arbeiteten, wurde 2008 eine Erweiterung angestrebt. Am 10. November 2008 fand auf Einladung des Oberbürgermeisters die Gründungsveranstaltung der ZWAR-Basis-gruppe Neustadt / Ückendorf statt.

Über 130 Bürgerinnen und Bürger zwischen 50 und 75 Jahre, die sich zwischen Arbeit und Ruhestand befanden oder den Ruhestand schon genossen, hatten sich getroffen, um sich über die Ziele der ZWAR-Gruppenarbeit zu informieren und gemeinsam über verschiedene mögliche Aktivitäten, Interessen und Gestaltung der freien Zeit zu unterhalten und auszutauschen.

 

Mittlerweile gibt es 16 Gruppen, die sich - wie nebenstehender Plan zeigt.

 

Nach der gemeinsamen Beantwortung der Fragen:

Was hat sich seit dem Eintritt in den (Vor-)Ruhestand bzw. Beendigung der Familienphase geändert?

Welche Erwartungen habe ich an den Ruhestand?

Welche Träume, Wünsche, Fantasien, Hobbys sind auf der Strecke geblieben?

war für alle das bestimmende Thema:

Was möchte ich gerne gemeinsam mit Anderen in der neuen Gruppe tun?

 

Am 20. November 2008 haben sich zum ersten Basistreffen ca. 50 Menschen zusammengefunden, die an gemeinsamen Aktivitäten Interesse hatten. Unterschiedliche Interessengruppen haben sich gebildet, wie z.B. Spielegruppe, Wandergruppe, Gymnastikgruppe, gemeinsame Theaterbesuche und viele andere, die sich zu den gemeinsamen Aktivitäten regelmäßig weiterhin treffen.

 

Die Basisgruppe trifft sich alle 2 Wochen donnerstags im Mehrgenerationenhaus in der Bochumer Str. 85.

 

Der ZWAR-Basisgruppe Neustadt / Ückendorf hatten sich bis jetzt ca. 40 Menschen (aktuell ca. 20 Personen) - zum Teil auch mit Migrationshintergrund - angeschlossen. Mit der Zeit hat die Gruppe ein großes Interesse am bürgerschaftlichen Engagement entwickelt. Um nur ein paar davon zu nennen: Familien-Lotse, Senioren im Altenheim besuchen, Geschichten im Kindergarten vorlesen oder Kinder in der offenen Ganztagsschule betreuen.

 

Viele Mitglieder aus der Gruppe interessieren sich für verschiedene Projekte der Stadt.  Sie betätigen sich als Seniorenvertreter und Nachbarschaftsstifter im Ortsteil, wirken mit bei der Redaktion von GE-nior (Das Magazin für Junggebliebene in Gelsenkirchen) oder entwickeln eigene Ideen. Alle Aktivitäten werden von den Teilnehmern selbst gewählt, wodurch sie den eigenen Gewinn deutlich sehen (ich tue etwas für mich, indem ich etwas für Andere tue). Durch Arbeiten mit Anderen schaffe ich neue Kontakte für alle Beteiligten.

 

Wichtig für die Teilnehmer bei ihren Aktivitäten ist:

  •         Eigener Gestaltungsspielraum
  •         Persönlicher Gewinn
  •         Anerkennung und Wertschätzung
  •         Qualifizierungsangebote und Seminare

Mit großem Elan und Erfolg wurden anlässlich der Neustadtfeste ZWAR-Benefiz-Flohmärkte durchgeführt, deren Erlöse an die Arche Noah und das Kinderhaus in Ückendorf übergeben wurden. Weiterhin wurde eine Erinnerungsbox für Senioren und Demenzkranke (hier geht es um die Gelsenkirchener Geschichte im Zeitfenster 1945 – 1970) erstellt.

 

Für die Zukunft sind noch viele gemeinsame Aktivitäten geplant, für die wir immer aktive Mitstreiter gebrauchen können.

 

Werner Rothmann

ZWAR – Gruppe

Neustadt/Ückendorf

 

 

Wanderung zum Berger Hof
Wanderung zum Berger Hof
ZWAR-Gruppe Neustadt/Ückendorf als                                                                                                  Ausrichter des ZWAR GeDIT im Juni 2017                    (Gelsenkirchener Delegiertentagung)
ZWAR-Gruppe Neustadt/Ückendorf als Ausrichter des ZWAR GeDIT im Juni 2017 (Gelsenkirchener Delegiertentagung)


Gelungener Jahresabschluss

Willkommen zur fröhlichen Winterlesung des Erzählcafès im Mehrgenerationenhaus 

Die Erzähl - Senioren
Die Erzähl - Senioren

 

Spaß haben und lustige Geschichten hören war für heute Abend das Motto. Moderne und alte Märchen,  Geschichten und Anekdoten, Witze und Sketche wurden von 9 Senioren*innen aus verschiedenen Stadtteilen Gelsenkirchens, zum Vergnügen der ca. 40 anwesenden Zuhörer vorgelesen, teilweise gespielt oder erzählt.

ie Erzähler waren aus Bulmke, Buer, Sutum, Altstadt und Ückendorf angereist und gaben ihr Bestes um alle Besucher  zu unterhalten.

 

Erich Kästner und Heli Busse wurden vorgetragen, was durchaus zur allgemeinen Heiterkeit, aber auch zum besinnlichen Nachdenken besonders bei Kästner, beitrug. Auch das eine oder andere Märchen wurde verlesen. Um die Fröhlichkeit weiter aufrecht zu erhalten wurden ein paar Anekdoten vorgetragen und auch einige Witze erheiterten die Besucher. Noch nie wurde das Märchen vom Aschenputtel so interessant wiedergeben wie an diesem Abend, mit einer hervorragend amüsanten Interpretation des, „ach so schönen Prinzen“ und den „sooo hässlichen Schwestern“, sowie dieser so unglaublichen schwierigen Aufgabe des Aschenputtels, alles mit dem absolut komplizierten Text, ein sich ständig wiederholenden “OKAY“, zu bestätigen.

 

Während der 15 minütigen Pause wurden neben diversen warmen Getränken auch selbstgebackene Leckereien angeboten, welches  dem Abend ein gemütliches Flair und gelungenes Ambiente verschaffte,

 

Dass dieser Abend auch den Senioren*innen Spaß bereite, merkte man jedem einzelnen im nachträglich Gespräch an. Man spürte die Freude am Vortrag und das Vergnügen diesen Abend zu gestalten.

 

Reichlich Applaus beglückte zum Abschluss die Protagonisten, und sie wurden mit einem herzlichen Dank, seitens  der Zuhörer, verabschiedet.